Was das Gelübde der Armut in der heutigen Zeit für mich als Salesianer bedeutet
Wer mich kennenlernt, sieht es mir nicht an, dass ich Salesianer Don Boscos bin und somit das Gelübde der Armut abgelegt habe. Auch wer mein Zimmer betritt, kommt in ein normal eingerichtetes Zimmer; ein Telefon, ein Computer mit Internetanschluss, ja sogar ein Handy befinden sich darin. Wer sehen will, dass es doch auch Unterschiede gibt, muss mich schon etwas besser kennen, denn ich besitze kein eigenes Konto, kein eigenes Auto; selbst das Zimmer samt der Einrichtung gehört nicht mir. Als arm würde mich aber dennoch niemand bezeichnen, denn unter Armut versteht man meist etwas anderes.
Man könnte also leicht auf den Gedanken kommen, dass das Gelübde der Armut bei den Salesianern heute keine Rolle mehr spielt und es nur ein Relikt aus vergangener Zeit ist. Dies ist jedoch falsch, denn auch heute noch gilt das Armutsgelübde.
Wir Salesianer versprechen, alles, was wir verdienen, in eine gemeinsame Kasse zu bringen. Wir haben aber auch das Recht, das zu empfangen, was wir für unser Leben und für unsere Arbeit brauchen. Mit dem Gelübde der Armut will der Ordenschrist, also auch wir Salesianer, zeigen, dass Geld und Besitz nur einen relativen Wert haben.
Unter Armut verstehen wir aber noch mehr als das sparsame Umgehen mit Geld: Armut soll sich konkretisieren in einem einfachen Lebensstil, im Verzicht, in der Bescheidenheit, in der Verfügbarkeit, besonders für bedürftige junge Menschen, und in der Freude.
Durch das Hinhören auf das Wort Gottes hat der Salesianer das als seine Berufung erkannt.
Br. Stefan Eichele SDB