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Gehorsam

 Was das Gehorsams-Gelübde für mich bedeutet

Ich denke viel über die Menschen nach - dieses eigenartige und zugleich faszinierende Wesen. Einerseits ist der Mensch fähig, die Wahrheit und dadurch auch seinen Lebensweg zu erkennen. Aber andererseits habe ich oft den Eindruck, dass besonders der Mensch auch geradezu ein Meister ist, wenn es darum geht sich selbst zu betrügen - und dann kann er seinen Weg auch verfehlen. Wie oft machen wir uns selbst was vor! Wie oft suchen wir irgendwelche Gründe und Ausreden, um unseren egoistischen Zielen eine scheinbar objektive Tarnung zu geben! Und wie oft hält nicht der Mensch seinen eigenen Vogel für den Heiligen Geist selbst?! Wenn ich ehrlich bin, kenne ich so was auch bei mir ganz gut und ertappe mich immer wieder bei Versuchen dieser Art.

Der Gehorsam in der Ordensgemeinschaft ist eine Hilfe für mich, genau dieser Falle zu entgehen. Ich bin nämlich fest davon überzeugt, dass unsere Ordensgemeinschaft durch Gottes Willen ins Leben gerufen worden ist und auch heute noch durch seinen Geist geführt wird. Vielleicht nicht immer in jedem Detail, aber in den großen Linien auf jeden Fall. Und dieser Gemeinschaft und ihren von Gott gewollten Zielen stelle ich mich zur Verfügung. Bei uns sind diese Ziel besonders mit jungen Menschen verbunden. Wir wollen mithelfen, dass ihr Leben gelingt und wir wollen dass sie in ihrem Leben Gott entdecken. Ich ordne meinen eigenen Willen und meine eigene Überzeugung in dieses größere Ganze, in unsere Sendung ein, und habe damit ein wenig Gewähr, dass ich nicht meinem eigenen Egoismus auf den Leim gehe.

Freilich gibt es manchmal Situationen, da bin ich nicht einverstanden mit allem in der Ordensgemeinschaft oder da fällt es mir schwer im Gehorsam zugunsten von einem anderem zu verzichten. Aber hinterher stellen sich solche Gelegenheiten oft als Chancen des Lebens heraus, tiefer den Willen Gottes zu verstehen.

Ich glaube, es geht im Leben darum, ein erfüllter, reifer und vor allem ein liebender Mensch zu werden. Aber ich ahne auch, dass wir das nur dann werden, wenn wir lernen frei zu werden für andere, wenn wir loslassen lernen, um offen zu werden für Neues. Und dazu hilft mir das Gelübde des Gehorsams - auch, oder vielleicht vor allem dann, wenn ich es manchmal als unangenehm empfinde. Deshalb gehört der Gehorsam für mich auch wesentlich in die Nachfolge Jesu Christi. Er selbst hat ja gesagt: "Ich bin nicht gekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat." (Joh 6, 38)

P. Stefan Oster SDB

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